Haushaltsrede verlesen im Gemeinderat am 23. Januar 2018 (pdf). 

 Schritt nach vorne oder Stagnation?

 

„2018 wird fett“

titelte der Spiegel vor einiger Zeit. Deutschland steht unter Volldampf (bis auf die Bundesregierung). Neben vielen Chancen besteht das Risiko einer Überhitzung. Für Herrenberg gilt es die Weichen richtig zu stellen. „Die etwas verschlafene Stadt möchte sich in den nächsten Jahren mit Investitionen von über 60 Mio. Euro neu aufstellen“, ein Zitat aus der Stuttgarter Zeitung umschreibt die Situation sehr gut. Wir haben viel vor. Wir haben viel versäumt. Es gilt beherzt, mit klarem Kopf, Pläne in die Tat umzusetzen. Wenn wir die Probleme nicht lösen werden sie nicht einfacher oder wie Seneca es ausdrückt: „Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“

Der Landkreis Böblingen hat vor wenigen Tagen in einem Ranking sämtlicher Landkreise in Deutschland den ersten Platz belegt. Die Einnahmen der Stadt Herrenberg liegen auf Rekordniveau und die Investitionen ebenso. Große Pläne liegen in der Schublade. Lehnen wir uns als Gemeinderat zurück, lassen die Verwaltung die Pläne umsetzen und sind zuversichtlich, dass in ein paar Jahren unsere Stadt erstrahlt und so ganz und gar nicht mehr verschlafen ist?

 

Wir sind der Meinung, das wird nicht ausreichen! Die Spitze zu erreichen ist schön, an der Spitze zu bleiben ist anstrengend. Wenn wir jetzt Fehler machen, wird der Absturz umso tiefer sein. Zudem hinkt Herrenberg manchen Entwicklungen im Landkreis und der Region hinterher. Kaufkraftbindung und Arbeitsplätze sind nur zwei Beispiele. Deshalb müssen die laufenden Projekte zur Belebung der Innenstadt und die Entwicklung der Gewerbegebiete ohne weitere Verzögerungen umgesetzt werden. Gleiches gilt für die dringend notwendigen Wohnbauflächen. Ein sich überhitzender Wohnungs- und Immobilienmarkt gefährdet die weitere Entwicklung. Auch unsere Infrastruktur kommt an Grenzen, besonders sichtbar beim Verkehr. Bei der Infrastruktur der Zukunft, der Breitbandversorgung, hinken wir der Entwicklung um Jahre hinterher. Nur wenige Beispiele die zeigen, die aktuelle Situation ist nicht selbstverständlich und ohne aktives Handeln sind die Folgen einer Konjunkturabschwächung heftig.

 

Ist Herrenberg und der Haushalt „wetterfest“, gehen unsere Strategien in die richtige Richtung? Die Planungen zur Innenstadt, zur Verkehrsentwicklung oder dem Wohnungsbau gehen in die richtige Richtung – eine zeitnahe Umsetzung vorausgesetzt. Das ist nicht sicher. Die Gründe sind vielschichtig, Hochwasserareale, archäologische Funde im geplanten Baugebiet Gartenäcker in Gültstein oder Eidechsen auf Bauflächen gehen nicht auf das Konto von Verwaltung und Gemeinderat. An anderen Stellen haben wir es in der Hand schneller zu werden.

 

Gemeinderat und Verwaltung sind gefordert:

  • Wir treffen Entscheidungen und setzen diese rasch um.
  • Kritik wird ernstgenommen, abgewogen und in die Entscheidung eingebunden.
    Nicht die lauten Stimmen haben zwangsläufig Recht und vertreten die Mehrheit.
  • Kommunalpolitik die agiert statt zu reagiert.
  • Wohnumfeld wird gestärkt: ausreichend Wohnungen für jedes Einkommen, gute Kinderbetreuung und Schulen, hoher Freizeitwert.
  • Motivierte, leistungsfähige und lösungsorientierte Verwaltung.
  • Verantwortlicher Umgang mit den vorhandenen Finanzen. Sinnvolle Einsparungen sind konsequent zu nutzen.
  • Darstellen unserer Stärken: Stadtmarketing, Wirtschaftsförderung, Tourismuswerbung

 

 

Kitas und Schulen – Ein Berg an Arbeit!

Rekorde auch bei der Kinderbetreuung. In den letzten Jahren konnten wir die Aufgaben meistern, der Rechtsanspruch wurde gewährleistet. Der inzwischen mit Abstand größte Bereich im Etat stand auf soliden Beinen. Gelingt das auch in Zukunft? Zweifel sind angebracht!

 

In Herrenberg fehlen Plätze in der Kindertagesbetreuung, die Ursachen sind vielfältig. Ein Grund ist, dass notwendige Projekte nicht oder nicht rechtzeitig umgesetzt werden. Bereits vor einigen Jahren haben wir im Grundsatz eine große Kita im Bereich alter Sportplatz beschlossen, passiert ist nichts. Jetzt stehen wir mit dem Rücken zur Wand! Wir müssen umgehend handeln. Beim Bau weiterer Kindertagesstätten, bei der Einrichtung von Interimsplätzen und bei der Personalgewinnung. Dabei darf es keine Denkverbote geben. Wir brauchen Lösungen für das laufende Jahr, mittelfristig tragfähige Konzepte und Projekte die in die Zukunft weisen. Kompromisse werden notwendig sein. Ein enger Schulterschluss zwischen Eltern, pädagogischen Fachkräften, Verwaltung und Gemeinderat ist dazu notwendig. Für die Freien Wähler gilt dabei, dass im Mittelpunkt die Schaffung der notwendigen Plätze steht. Perfekte Lösungen wird es nicht immer geben.

 

Parallel dazu gilt es die Schulen zu renovieren, Ganztagesbetreuung auszubauen und für veränderte Lernkonzepte die baulichen Voraussetzungen schaffen. Wir werden in den nächsten zehn Jahren sicher über 20 Millionen in die Sanierung der Schulen und deren Ausbau investieren. Wenn wir nicht schneller werden, wird es zu vergleichbaren Problemen wie bei der Kinderbetreuung kommen. Die Kinder, die heute in der Kita die Ganztagesbetreuung besuchen, benötigen ein solches Angebot auch in den Grundschulen. Darauf sind wir nicht vorbereitet!

 

Wir haben zwei Haushaltsanträge in diesem Zusammenhang gestellt. Wie kann ein Angebot für Kinder bis zur 4. Klasse in Kayh und Mönchberg aussehen? Ist eine zentrale Kita und Grundschule eine Lösung? Wir sind der Meinung, dass ein solches Konzept dringend vertieft geprüft werden muss. Zum anderen beantragen wir eine weitere Stelle für einen Architekten beim Gebäudemanagement. Wenn wir die Aufgaben lösen wollen braucht es das notwendige Personal.

 

Trotz verschiedener Beteiligungsformen gibt es oftmals auch Unverständnis über die Priorisierung von Maßnahmen. Auch die Jugenddelegation bringt dies zum Ausdruck. Die Nutzer unserer Schulen werden bisher nicht in die Planungen eingebunden. Wir fragen Schulleitungen, das Regierungspräsidium, Elternbeiräte, aber was ist mit den Schülern? Deshalb schlagen wir vor, den Schulbeirat um Vertreter der SMV zu erweitern.

 

Sollten wir jemals wieder eine funktionierende Bundesregierung erhalten muss gemeinsam mit den Ländern sichergestellt werden, dass die Kommunen die notwendigen Mittel für ihre Aufgaben im Bildungs- und Betreuungssektor erhalten. Unseren Kindern und Jugendlichen sind die förderalen Zuständigkeiten ziemlich gleichgültig solange die Schulen nicht renoviert werden und weder Eltern noch Kommunen wird bei der Kinderbetreuung mit Sonntagsreden oder weiteren Sondierungsrunden geholfen.

 

 

Entwicklung der Kernstadt – Es geht los!

Mit dem Baubeginn im Seeländer, den konkreten Umbauplänen in der Seestraße, Park- und Geschäftshaus in der Hindenburgstraße, der Bebauung am Stabi-Areal und weiteren Maßnahmen im Sanierungsgebiet kommt der Umbau der Kernstadt voran. Der bestehende Fahrplan muss konsequent umgesetzt werden. Hierzu schlagen wir vor, dass ein jährlicher Statusbericht im Gemeinderat beraten wird. Was läuft gut, wo besteht Steuerungsbedarf und wo müssen wir auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren? Damit können wir auch die Bevölkerung mitnehmen. Weitergehende Planungen zum Areal der Feuerwehr, dem DRK, Viehversteigerungshalle und dem freiwerdenden Gelände des Reitvereins müssen gestartet werden. Keines der Gebäude hat eine Zukunft. Feuerwehr und DRK brauchen deutlich mehr Platz und die Viehversteigerungshalle wird fast nicht genutzt. Damit verbunden ist die Frage ob Stadt- und Mehrzweckhalle mittelfristig ersetzt oder ergänzt werden sollen. In diesem Quartier steckt ein großes Potenzial.

 

Leider kommt die Entwicklung von Freiflächen nicht voran. Freizeitanlage verschoben, Parkfläche Altes Freibad verzögert und Entwicklungen im Otto´schen Garten vergessen? Wir Freien Wähler sind der Meinung, dass es für eine lebendige Stadt solche Flächen braucht. Unser Plan wäre die Umsetzung Altes Freibad noch 2018, Freizeitanlage wird 2020 eröffnet und bis 2022 beginnen wir mit einem Konzept für den Otto´schen Garten und dem alten Stadtfriedhof. Wenn bis dahin der Graben weitgehend autofrei ist haben wir eine schöne Achse mit hoher Aufenthaltsqualität quer durch die Kernstadt.

 

 

8 Stadtteile – Eine Stadt?

Es ist nicht selbstverständlich, dass wir in allen Stadtteilen, zumindest im öffentlichen Bereich, eine gute Infrastruktur haben. Unsere Stadtteile sollen lebendig bleiben und das Gesicht der Stadt genauso prägen wie die Kernstadt. In den Stadtteilen lebt eine sehr engagierte Bürgerschaft und viele wichtige Vereine, die für Herrenberg stehen, sind dort angesiedelt.

 

Die Stadtteile benötigen lebendige Ortszentren. Deshalb begrüßen wir die Anträge die sich mit diesen Themen auseinandersetzen. Dorfplätze sind Begegnungsräume und müssen in einem guten Zustand sein, wie dies Gültstein und Oberjesingen anstreben. In Affstätt und Mönchberg werden Veränderungen sichtbar und sollten noch mehr Dynamik, auch durch aktives Handeln der Verwaltung entwickeln. In Haslach stehen durch die Planungen der Kirche für ein Gemeindehaus in der Ortsmitte und der Bau der Grundschule Veränderungen an, in Kuppingen kann endlich die Sanierung der Gemeindehalle starten. Auch das Thema Wohnen ist erfreulich dynamisch. Projekte wie die Sanierung Kaffeeberg in Affstätt oder die Ortskernsanierung in Mönchberg, kleinere innerörtliche Erschließungen wie in Kuppingen oder auch Erschließungen mit Augenmaß im Außenbereich wie in Haslach, Oberjesingen und Gültstein zeigen die Attraktivität unserer Stadtteile. Daneben brauchen wir eine zeitgemäße Weiterentwicklung der Infrastruktur. Das Pflegeheim in Gültstein kommt endlich voran und wie dargelegt stehen wir bei der Kinderbetreuung vor großen Herausforderungen.

 

 

Verkehr – Warten auf IMEP

Verkehrsfragen werden uns auch 2018 beschäftigten, nicht nur in der Kernstadt. Die Anbindung für Radfahrer und Fußgänger aus den Stadtteilen ist nicht optimal und die Busverbindungen müssen verbessert werden. Der Herrenberger integrierte Mobilitätsentwicklungsplan (IMEP) muss hier genauso wie in der Kernstadt Antworten liefern. Die Verkehrsbelastung in Kayh wird hoffentlich im kommenden Jahr verringert, wenn die letzte Eidechse gefangen wurde und die Direktanbindung der K 1041 an die B 28 endlich gebaut wird. Für Kuppingen brauchen wir jetzt eine Lösung für die Sulzer Straße. Diese Straße ist gefährlich, für Fußgänger und Radfahrer innerorts und über den Zustand außerorts braucht man eigentlich nichts mehr sagen.

 

Radwegenetz, Parken, Busverbindungen, Ausbau der Ammertalbahn, Verkehr Alzental, Horber Straße und vieles mehr: Die vielen Vorschläge und Ideen warten auf eine Bewertung. Bisher wurde alles im Hinblick auf IMEP vertagt und wir sind gespannt auf den großen Wurf. Wir erwarten, dass die Verwaltung stärker als bislang eigene Ideen einbringt. Passgenaue Lösungen für Herrenberg brauchen Herrenberger Sachverstand. Aus der Bürgerschaft kommen Ideen und Anregungen, die Verwaltung versteckt sich aus unserer Sicht hinter den Gutachtern.

 

 

Wirtschaft, Tourismus, Stadtmarketing

Das Amt neu aufgestellt, neuer Wirtschaftsförderer an Bord, Personal aufgestockt, Grundsatzbeschlüsse zum Citymarketing liegen vor und die Wirtschaft brummt. Alles in Butter, Herrenberg startet durch? Vermutlich nicht! Baureife Flächen wie das BayWa-Areal sind nicht auf dem Markt und neue Flächen wie Binsenkolben oder Erweiterungen in Gültstein und der Kernstadt sind noch nicht verfügbar. Es ist gut, dass viele Firmen Herrenberg die Treue halten, trotz guter Rahmenbedingungen in der Nachbarschaft. Pflegen wir unsere Wirtschaftsbetriebe, große und kleine. Beim Einzelhandel und dem Citymarketing sind wir auf die Handschrift des neuen Wirtschaftsförderers gespannt und hoffen auf schnelle Impulse im laufenden Jahr.

 

Herrenberg ist eine tolle Stadt, leider weiß das (fast) niemand. Der eingangs erwähnte Befund der Stuttgarter Zeitung vom „etwas verschlafenen Städtchen“, hier stimmt es. Dabei können wir stolz auf Herrenberg sein, ohne dabei überheblich zu werden oder den Blick auf Defizite zu vernebeln. Beim Stadtmarketing und dem Tagestourismus wird es nicht reichen die Handbremse zu lösen. Es muss eine ganz andere Dynamik an den Tag gelegt werden.

 

Dabei geht es gar nicht immer um städtische Einrichtungen oder Aktivitäten. Mit dem Mauerwerk, dem Waldseilgarten, dem Stellwerk S und dem Kletterzentrum Rox wurden in den letzten Jahren tolle Freizeit-, Kultur und Sportangebote durch private Investoren in Herrenberg errichtet. Leider fehlt es an ganz selbstverständlicher Unterstützung. Die Betreiber dürfen nicht einmal in der „Touristeninformation“ der Stadt Informationen auslegen. Das muss sich ändern!

 

Mit dem Stellbergturm bekommen wir eine zusätzliche Bereicherung des Freizeitangebotes in Herrenberg. Auch hier gilt: nur mit genutzten Chancen gewinnt man! Deshalb unser Antrag zu diesem Thema.

 

 

Kultur – Mehr als man denkt

Kultur in Herrenberg ist bunt, vielfältig und wenig gefördert. Die Kulturkonzeption, die alle Bevölkerungsschichten einbindet, muss angegangen werden. Kultur ist ein Standortfaktor und erfreulicherweise gibt es in Herrenberg eine sehr lebendige und auch heterogene Kulturszene. Es muss uns gelingen die bestehenden Angebote zu stärken und Defizite zu beseitigen. Ein vielseitiges Angebot ist für uns wichtiger als irgendwelche Leuchttürme. Auch die Ideen und Vorstellungen der Jugendlichen oder Angebote von Vereinen und Ehrenamtlichen brauchen Unterstützung durch die Verwaltung.

 

 

Sportflächenkonzeption

Herrenberg zeichnet sich durch sehr aktive und vielseitige Sportvereine aus. Dabei nehmen die Anzahl der Vereine und die der ausgeübten Sportarten stetig zu. Die aktuellen Regelungen, Verfahren oder die Investitionsförderung für die Vereine sind nicht mehr zeitgemäß. Zudem verändern sich die Anforderungen an die Sportstätten. Wir sind der Meinung, dass wir in der Mitmachstadt gemeinsam mit den Vereinen die Situation analysieren und gemeinsam zeitgemäße Lösungen finden sollten. Unsere Sportvereine leisten einen wichtigen Beitrag für das soziale Leben, sind ein wichtiger integrativer Faktor und ein Aushängeschild für unsere Stadt. Deshalb haben wir den Antrag für eine Sportflächenkonzeption gestellt, den wir mit externer Unterstützung und unter sehr enger Einbindung der Vereine umsetzen wollen.

 

 

Herrenberg für Alle – Inklusion

Unter welcher Überschrift sollten wir diesen Punkt diskutieren? Beim Verkehr wegen der Barrierefreiheit, beim Städtebau oder dem Thema Sportflächen, bei der Kultur, bei den Schulen oder Kitas? Wir sind der Meinung, dass Inklusion integraler Bestandteil aller Themenfelder sein muss. Damit werden wir nie „fertig sein“ sondern müssen nachhaltig darauf achten, dass die Entscheidungen nicht zur Ausgrenzung von Menschen mit einer Behinderung führen. Als Beitrag hierzu sehen wir unseren Antrag zum Budget für Gebärdendolmetscher.

 

 

Wohnen in Herrenberg – nur etwas für Reiche?

Nach langem Zaudern könnte es vorangehen. Mit der Umsetzung der wohnungsbaupolitischen Strategie kann die Situation in vielen Feldern deutlich verbessert werden. Mit der Anmietung von Wohnungen kommt es zeitnah zu einer Verbesserung auf dem sozialen Wohnungsmarkt. Die Bereitstellung von Wohnbauflächen muss konsequent weiter gehen. Auch wir als Gemeinderat sind gefordert. Sonntags den Flächenverbrauch oder den Wohnraummangel beklagen und Dienstags im Gemeinderat längst beschlossene Maßnahmen in Frage stellen oder innerörtliche Nachverdichtungen als „Klötze“ raffgieriger Investoren brandmarken ist nicht zielführend.

 

Wir sind gespannt ob es uns gelingt Herrenberg Süd bald umzusetzen. Wir erwarten, dass die Verwaltung zeitnah darlegt in welcher Form die Umlegung der Flächen erfolgen soll. Ohne Umlegung wird es nichts mit dem Vorzeigeprojekt Herrenberg Süd.

 

 

Nachhaltiges Herrenberg

Der Klimaschutz in Herrenberg hat durch das Urteil zum klimafreundlichen Bebauungsplan im Bereich Steinbruch einen herben Rückschlag erhalten. Trotzdem sollten wir den Weg zu mehr kommunalen Klimaschutz konsequent weiter gehen. Die verkehrsbedingten Belastungen, Abgase und Lärm, müssen ebenso reduziert werden.

 

Eine Herausforderung ist die Erhaltung der Kulturlandschaft rund um Herrenberg. Die Zukunft der Streuobstwiesen braucht engagierte Obstbauern und Perspektiven. Neue Produkte und neue Vertriebswege sind notwendig um diese Landschaft lebendig zu erhalten. Nur mit einem Käseglockendenken, den Status Quo bewahrend und praxisfernen Vorgaben wird es nicht gelingen.

 

Für die Bewirtschaftung des Stadtwalds brauchen wir wegen der Kartellklage gegen das Land ab dem Jahr 2019 neue Strukturen. Leider ist nicht absehbar, bis wann vom Land eine klare Entscheidungsgrundlage vorliegt.

 

 

PAK statt LEA

Im ehemaligen IBM Gebäude am Fichtenberg wird das Land eine Polizeiakademie (PAK) einrichten, nachdem kein Bedarf an diesem Gebäude für eine Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) besteht. Wenn künftig mehrere hundert angehende Polizisten in Herrenberg studieren wird sich dies positiv auf die Stadt auswirken. Zusätzlich ist davon auszugehen, dass für Verwaltung und Lehrpersonal eine größere Anzahl an Arbeitsplätzen entsteht.

 

Ohne LEA wird Herrenberg aber deutlich stärker im Bereich der Unterbringung anerkannter Flüchtlinge und Asylbewerber gefordert sein. In der Betreuung wird es gelingen, dank der engagierten Bürgerschaft unserer Stadt. Die Schaffung des benötigen Wohnraums wird schwierig und uns ebenfalls im Jahr 2018 fordern.

 

 

Herrenberg 2020 – Herrenberg 2028

Wie geht es weiter in Herrenberg? Nicht beim Fahrplan Innenstadt oder anderen Bauprojekten sondern insgesamt. Herrenberg 2020 kann nicht mehr lange eine Leitlinie für die Zukunft sein. Wir schlagen vor, dass der bisherige Prozess analysiert und die Zielerreichung geprüft wird. Darauf aufbauend sollte eine Weiterentwicklung stattfinden, die erneut breit mit der Bürgerschaft diskutiert wird. Auch eine erneute Umfrage unter allen Bürgerinnen und Bürger sollte überlegt werden. Die Vorbereitungen sollten 2018 starten, damit mit dem künftigen Gemeinderat ab Sommer 2019 in die Diskussion eingestiegen werden kann.

 

Im diesem Rahmen könnte auch mit der Bürgerschaft diskutiert werden, wie wir das Stadtjubiläum 2028 feiern. Aus unserer Sicht muss das ein Jubiläum mit Strahlkraft für die ganze Stadt sein, keine Party der Kernstadt. Wir schlagen in diesem Zusammenhang vor, dass sich die Stadt um die Ausrichtung der Heimattage Baden-Württemberg für das Jahr 2028 bewirbt und bitten die Verwaltung den Gemeinderat im Laufe des Jahres 2018 über die Rahmenbedingungen zu informieren.

 

Ein weiterer Aspekt für diesen Prozess ist die geplante Internationale Bauausstellung (IBA) in der Region Stuttgart 2027. Leider wissen wir nicht welche Ideen bei der Verwaltung zu diesem Thema vorhanden sind. Unser Vorschlag, mit einer Bewerbung für eine Landesgartenschau die Themen Stadtjubiläum und IBA in Verbindung mit Herrenberg-Süd aufzugreifen wurde durch die Verwaltung nicht unterstützt und fand im Gremium keine Mehrheit. Kein Problem, so funktioniert Demokratie. Es wäre aber schön zu hören, ob Ideen und Vorstellungen bei der Stadtverwaltung vorhanden sind.

 

 

Haushalt 2018 und mittelfristige Finanzplanung

Er sieht gut aus, der Haushaltsplan 2018. Bleiben die Einnahmen hoch, brauchen wir uns keine Sorgen machen. Wir sind der Meinung, dass wir aber vorsorgen müssen und uns Reaktionsmöglichkeiten, also Kürzungen, vorbehalten müssen.

 

Leider konnte sich der Kreistag nicht zu einer weiteren Absenkung der Kreisumlage durchringen. Wir sind der Meinung, dass der Landkreis sich keine Spielwiesen auf Kosten der Kommunen erarbeiten sollte. Bleibt das Geld bei der Kommune, haben wir mehr Spielraum für unsere Pflichtaufgaben und können selbst besser entscheiden wo wir Schwerpunkte setzen wollen.

 

Kritik ist angebracht bei den Planansätzen. Die Verwaltung bezeichnet es als „kaufmännische Vorsicht“. Ein Haushaltsergebnis, dass jedes Jahr deutlich über den geplanten Ansätzen liegt, zeigt aber, dass die Planung die Leistungsfähigkeit der Stadt nur unzureichend darstellt. In Verbindung mit den hohen Ansätzen für finanzierte aber nicht umgesetzte Projekte entsteht ein Nebenhaushalt aus nicht veranschlagten Einnahmen und nicht abgeflossenen Ausgaben. Das wollen wir nicht.

 

 

Frischer Wind

Zum Abschluss möchten wir gerne noch auf die positiven Entwicklungen in der Verwaltung eingehen. Die Personalveränderungen und Aufstockungen in den letzten Monaten beginnen sich positiv auszuwirken, genauso wie das Projekt „Zukunftsfähige Verwaltung“ gemeinsam mit der Hochschule Ludwigsburg. Neue Ideen und Vorgehensweisen werden sichtbar und auch die Schlagzahl hat sich erhöht. Es freut uns, wenn diese Entwicklung sich auch 2018 fortsetzt. Einen Wunsch haben wir: Neue Köpfe haben auch neue Ideen, die gerne eingebracht werden dürfen. Die Verwaltungsspitze sollte dieses Potenzial nutzen. Wir freuen uns darauf.

 

 

Dank und Zustimmung

Die Freien Wähler möchten sich bei der Verwaltung für die gute Arbeit bei der Planaufstellung und den anderen Fraktionen für die konstruktive Zusammenarbeit danken. Der Dank gilt auch den Bürgerinnen und Bürgern, die durch Ihre Mitarbeit in den verschiedenen Beteiligungsforen und mit ihren mündlichen und schriftlichen Anregungen an den Gemeinderat wichtige Impulse geben.

 

Wir werden dem Haushalt zustimmen.

 

 


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