Kolumne am 29. März 2014 im Gäuboten

 

Man stelle sich ein junges Paar mit 2 Kindern vor, welches beruflich bedingt aus dem Frankfurter Raum in den Süden umziehen möchte. Die Nähe zum Bodensee und den Alpen begrenzt das Ziel auf „südlich von Stuttgart“. Die Familie kennt hier die Unistadt Tübingen und den Schönbuch. Nagold ist bekannt durch die Landesgartenschau 2012. Böblingen mit dem neuen Flugfeld reizt sehr. Sindelfingen mit Daimler und dem Breuningerland ist auch in der engen Auswahl.

Die Ortschaften dazwischen, wie Ehningen, Gärtringen oder Nufringen sind auch sehr interessant – aber die Schulfrage begrenzt die Wahl dann auf die größeren Städte wie Nagold, Tübingen, Herrenberg und Böblingen / Sindelfingen. Wie würden wir als Herrenberger diese Familie überzeugen nach Herrenberg zu kommen? Was sind unsere Argumente? Wenn wir Argumente haben das junge Paar zu überzeugen, dann können wir auch Firmen oder Investoren überzeugen in Herrenberg zu planen und zu investieren.

Was prägt eine Stadt, was ist ihr Alleinstellungsmerkmal? Ganz vorne sind dies die Ortsmitten. Der Anlaufpunkt. Etwas, was einem Besucher und den Einheimischen das Gefühl von Heimat und Mitte gibt.

Unter mutig denken sehe ich die weitere Entwicklung dieser Orts- oder Stadtmitten. Kuppingen, Kayh, Gültstein und Haslach haben die letzten Jahre diese Entwicklung betrieben. Mutig gedacht und umgesetzt. Affstätt und Oberjesingen braucht diese Entwicklung noch. Hier muss man mutig denken. Und in der Kernstadt Herrenberg? Ist dies der Marktplatz? – Klassisch ja, aber wo findet das eigentliche Leben heute statt? Um den Reinhold-Schick-Platz herum. Da wo sich der starke Verkehr (Auto, LKW) und der schwache Verkehr (Fußgänger, Radfahrer, Rollstuhlfahrer) täglich tausendfach trifft.

Diese Mitte aufzuwerten ist die größte Chance seit mehreren Jahrzehnten. Im Anschluß an den Schickplatz befindet sich das Stabi-Areal, das BayWa-Gelände, das Alte Freibadgelände und ein Steinwurf weg, das Seeländergebiet (alter Bauhof). Diese 4 Filetstücke müssen gemeinsam betrachtet und mutig gedacht die neue Stadtmitte geben. Eine Stadtmitte, wo geparkt, eingekauft, gearbeitet und gewohnt werden kann. Alle 4 Gebiete benötigen aber Investoren und Mieter und die wohnen heute nicht um die Ecke sondern in der gesamten Republik. 

Unter mutig denken verstehe ich, daß wir heute die Werbetrommel rühren müssen und diese einmalige Struktur um den Schickplatz gemeinsam mit der Altstadt planen und morgen kommunizieren müssen. Mutig gedacht hat zum Beispiel auch Böblingen mit dem Flugfeld oder am alten Busbahnhof. Nagold hat mutig seine Verkehrswege neu geordnet.

Der wichtigste Aspekt hierbei ist aber vor allem die Anbindung unserer 4 Filetstücke an die Altstadt. Verkehrsberuhigung, Übergänge oder Stege stehen zentral für das Funktionieren der neuen Stadtmitte. Warum den Schickplatz nicht überdachen? Warum keine Stege zwischen den Gebieten über die Bahnlinie hinweg? Erweitern wir unsere Fußgängerzone bis zum Bahnhof, über das Alte Freibad hinweg zum Seeländerareal und wieder zurück zur Altstadt. Mutig denken um dann strategisch planen und wirtschaftlich bauen! So kann ein Motto entstehen gemäß einem Werbespruch: Mittelalter trifft moderne Architektur!

Der städtebauliche Ideenwettbewerb letztes Jahr hat viele gute Ideen und Vorschläge gebracht die wir hier einsetzen müssen. Herrenberg ist nach innen ausgerufen die Mitmachstadt. Richtig und Gut. Aber nach Außen? Wie sehen uns Personen, Firmen oder Investoren außerhalb der Kreisgrenzen? Unser Ziel muß sein die Argumente beispielsweise einem jungen Paar aus dem Frankfurter Raum voller Stolz präsentieren zu können: Herrenberg hat Lebensqualität. Im Einklang mit Natur und Umwelt. Hier lohnt es sich zu leben! Hier kann man wohnen, einkaufen, in die Schule gehen, Arbeiten und die geschützte Natur genießen. Deshalb mutig denken!

Rainer Braun, Gemeinderat und Vorsitzender Stadtverband Freie Wähler

 


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