Kolumne im Gäuboten am 14. Mai 2014

Wir strengen uns an, die Kernstadt wieder attraktiv zu machen. Es gibt eine Vielfalt an geplanten und bestehenden Geschäften und Dienstleistungsbetrieben. Wir haben Kindertageseinrichtungen, weiterführende Schulen,  bald ein Naturfreibad und  lebenswerten Wohnraum …  All das zieht die Menschen an und das ist gut so. Die Verkehrssituation hingegen schreckt  ab. Welche neuen Verkehrsplanungen sind erfolgsversprechend?  Würde eine weitere Umgehungsstraße Entspannung im innerstädtischen Verkehr bringen? Oder neue Verkehrsführungen innerhalb der Stadt? Hier besteht dringend Handlungsbedarf!

Nicht jeder will oder kann direkt in der Kernstadt wohnen und zieht in die Stadtteile. Nicht zentrumsnah, aber qualitativ ebenso hochwertig bieten sich unsere dörflich geprägten Teilorte an. Jeder Ort hat seinen eigenen Charme, mit und ohne Sanierung.  Wohnraum ist nicht ganz so teuer, es herrscht weniger Lärm und Verkehr und man lebt beschaulich und idyllisch am Rande der Natur. Aber wie sieht es mit der Versorgung aus?

Als gebürtige Neumönchbergerin, die es nach 30 Jahren wieder in die Heimat zurückzog, kann ich Vergleiche ziehen. Bevor ich in den 80ern weggezogen bin, gab es hier noch eine Nahversorgung auf Rädern. Mehrmals wöchentlich kam der Feinkost-Löhmann mit seinem Verkaufswagen, dann kam ein Bäcker, freitags kam der Fischmann. Es gab kleine Filialen der Kreissparkasse und der Volksbank. Obwohl die Einwohnerzahlen seither gestiegen sind, gibt es heute z. B. in Mönchberg nur noch einen Briefkasten; neuerdings kommt einmal wöchentlich ein Metzger auf Rädern. Aber nicht einmal ein Bankomat steht mehr im Ort!

So verlieren die Stadtteile an Attraktivität. Kindergarten, Grundschule und Rathaus muss es auch in Zukunft in jedem Teilort geben. Eine mögliche Ganztagsbetreuung vor Ort für Kinder unter zehn Jahren ist heute für viele Familien wichtig und sollte deshalb auch in jedem Teilort eingerichtet werden. Außerdem sind eine gute Busanbindung und ein lückenloses Fahrradnetz in den Außenbereichen notwendig.

Natürlich muss man zur Arbeit und zum Einkaufen fahren, die Kinder müssen auf weiterführende Schulen in die Stadt,  Ärzte und Dienstleistungsbetriebe wie Banken/Post/Versicherungen sind im Stadtbereich angesiedelt und Kulturveranstaltungen brauchen einen gewissen Rahmen. In der Kernstadt gibt es praktisch alles, allerdings eher im nördlichen Stadtgebiet. Wenn sich eine Familie „fürs Land“ entscheidet, entsteht zwangsläufig Verkehr in und durch die Stadt. Um die Verkehrssituation in Herrenberg etwas zu entzerren und die südlichen Teilorte zu stärken, wäre es empfehlenswert, im Süden ein kleines Nahversorgungszentrum zu planen. Wo ein Schnellrestaurant und eine Tankstelle ihren Platz gefunden haben, könnten auch noch ein Supermarkt und ein Baumarkt angesiedelt werden.

Ich freue mich über die geplante Attraktivitätssteigerung der Kernstadt, wir dürfen aber eine Stärkung der Teilorte nicht vergessen. Nur so verbinden sich die beiden Lebensräume Stadt und Land zu einer Einheit.

 


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