Kolumne im Gäuboten am 25. April 2014

Herrenberg ist auf einem guten Weg. Das alte Bauhofareal (Seeländer) wird entwickelt, BayWa-Grundstück ist gesichert, Freibadbau hat begonnen, Verkehrsvarianten werden 2014 festgelegt… Chancen, die wir nutzen. Parallel kursieren in der Stadt Begriffe wie Citymarketing oder Citymanagement. Was ist das? Altstadt? Innenstadt? Kernstadt? Große Kreisstadt? Wer kann das? Wer versteht bzw. erwartet was darunter? Kann man eine ganze Stadt managen wie ein Einkaufscenter?

Um eine Stadt zu pflegen, gestalten und entwickeln, braucht es Experten. Wer ist Experte? Sind nicht die Beteiligten und Betroffenen (wer ist das überhaupt?) selbst die besten? Sie wissen, wo der Schuh drückt, was verbessert werden kann und  wohin die Reise gehen muss, denn jeder kennt sich in seinem Bereich aus. Folglich ist jeder auch ein wichtiges Rad im Getriebe. Aber, ein Hauseigentümer weiß wenig vom Händler und dessen Problemen eine Straße weiter. Ein anderer Händler versteht nicht, warum Läden leer stehen. Die Verwaltung weiß kaum von Problemen der Hauseigentümer mit Nachbarn, Mietern usw. Was wissen Anwohner vom Teufelskreis des Ladensterbens? Welche Zuschüsse gibt es und wohin kann man sich wenden? Viele Fragen und jeder wurstelt einsam vor sich hin. In meinen Augen sind also Betroffene die Hauseigentümer, Händler, Bewohner, Gastronomen, Stadtverwaltung, aber auch Vereine, Kunden und Besucher der Stadt. Sie alle müssen unter einem gemeinsamen Dach zu Beteiligten gemacht werden. Herrenbergs City (Altstadt) ist das Herz der Stadt, der Motor, der „Markt“-Platz, in dem Handel, Konsum, Wohnen, Kultur und Arbeiten stattfindet. Dieser Motor muss gehegt und gepflegt werden. Läuft kein Öl (Konsum, Geld, Kunden) in den Motor, geht er kaputt (Ladensterben). Ist er erst einmal kaputt (Leerstände), nützt Öl-Auffüllen (Altstadtbelebung) nichts mehr.  Dabei dürfen wir den richtigen Mix nicht aus den Augen verlieren. Eine lebendige Stadt, ist eine vielfältige Stadt. Meine Idee:Wir etablieren mit professioneller Hilfe und den Beteiligten einen „Runder Tisch City“, der regelmäßig tagt und sich austauscht. Die Vorteile liegen auf der Hand: Alle lernen sich kennen, verstehen Zwänge und Probleme der Anderen, tauschen Erfahrungen aus und legen gemeinsame Ziele fest (z.B. Parkhaus Volksbank, Vermietungsdatenbank…). Diese Diskussionen fördern das WIR-Gefühl, denn der Motor funktioniert nicht, wenn Teile daran nicht mitwirken. Aus der Weltpolitik mit G7, G20, Nato, Sicherheitsrat, Uno usw., lernen wir, wie es nicht funktioniert, denn hier sitzen leider oft „unkundige Gewählte“ und Mächtige, die Ziele einzelner (Länder) über die der anderen stellen, und dabei vergessen, dass es um die Zukunft der Welt geht (z.B. Frieden, Klima, Natur). In Herrenberg geht es ausschließlich um Herrenberg! Ergo – nur Personen mit diesem Ziel dürfen mitmachen: Herrenberg verbessern, stärken und nach vorne bringen! Wem dieses Ziel zu hoch ist, wer dafür keine Zeit hat, der möge bitte seinen Platz Anderen zur Verfügung stellen.

Meine Vision: Diese Werkstatt „Runder Tisch City“ arbeitet Hand in Hand unter einem professionellen, unabhängigen Dach zum Wohle des ganzen Motors – Trittbrettfahrer ausgeschlossen. Die Schwierigkeit liegt im Anfang, denn da müssen 3-4 oder mehr engagierte und mutige Vertreter aller Bereiche und ein geeigneter Profi gefunden werden, die partnerschaftlich miteinander umgehen und kommunizieren. Es darf kein Gerangel geben. Dieser Runde Tisch könnte die Werkstatt sein, die unseren Motor pflegt, wartet und verbessert. Er ist und bleibt das Herz Herrenbergs und muss gesund und langlebig schlagen – dann geht es Herrenberg auch in Zukunft gut!


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