Zum Thema: 

Eine unendliche Energiequelle mit Geothermie anzapfen – Chance oder Risiko?
fand sich eine Reihe von interessierten Bürgern und Mitgliedern des FW- Stadtverbandes am 20.März im Restaurant „Botenfischer“ ein.

Vortragender war Prof. Schilling vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in Begleitung seiner Kollegin Frau Dr. Müller (ebenfalls KIT).

Nach der Begrüßung von Rainer Braun stieg Prof. Schilling sofort in das Thema ein. Seine sympathische und offene Art nahm jeglicher Voreingenommenheit dieses heiklen Stoffes die Spitze.

Prof. Schilling gab anhand von Folien eine kurze Einführung in die äußerst komplexe Materie der Geothermie: So erläuterte er zunächst sein Aufgabenfeld beim KIT und leitete dann über zu den energetischen Zielen von 2050, den Primärenergieverbrauch um 90% und die Emissionen um 100% zu reduzieren – das wäre ohne geothermische Maßnahmen nicht möglich.

Seine These: 99% der Erde sind über 1000 ° heiß – nur 0,1% sind kälter als 100 ° zeigt die Bedeutung von geothermischer Nutzung.

Prof. Schilling verschwieg nicht die Probleme der Erdwärmebohrungen mit dem aufquellenden Gipskeuper am Beispiel Staufen (Breisgau). Nach den bösen Erfahrungen von Staufen hat das Land Baden-Württemberg einen neuen Leitfaden herausgebracht, der aber nur durch intensive Überwachung seinen Zweck erfüllen kann. In diesem Metier sind zu viele Firmen tätig, die nur wenig Erfahrung für eine so komplizierte Materie mitbringen.

Hauptfrage sei: Wo liegt der Gipskeuper – und wie tief? 

Danach nahm der Vortragende die spezielle Situation Herrenbergs unter die Lupe: Zuallererst wird unterschieden zwischen flacher Oberflächengeothermie (Bohrungen von 80 m bis 200m) und tiefer Geothermie (Bohrungen von 3 km bis 5 km). Für das Stadtgebiet besteht, bis auf einen kleinen östlichen Bereich, absolutes Erdwärme- Bohrverbot für die Oberflächengeothermie, was Prof. Schilling auch ausdrücklich gutgeheißen hat.

Anders sehe es bei der Tiefengeothermie aus, die, sofern von einem professionellen Team vorgenommene Bohrung, durchaus gute Ergebnisse liefern könne. Allerdings müsste vorab eine Machbarkeitsstudie erstellt werden, die sowohl die geologische als auch die wirtschaftliche Plausibilität darstellen kann. Ein Risiko sei nie auszuschließen, allein der Begriff Risiko sei in diesem Fall auf den Nenner zu bringen: Eintrittswahrscheinlichkeit gleich Schadenshöhe. Dass eine solche Bohrung immense Summen verschlingt, wurde ebenso beschrieben, wie die Gegenrechnung einer kontinuierlichen Einnahmequelle durch gesparte andere Energiearten.

Begleitet wurde dieser Vortrag durch Gesteinbeispiele aus unserer Umgebung und anhand eines Experiments die Durchlässigkeit unterschiedlicher Gesteinsformationen dargestellt.

Schon während des Vortrages kam eine Diskussion in Gange, was das große Interesse an der Geothermie deutlich unterstrich.

 

 


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