Gäubote 31.Oktober 2012 „In Schönheit sterben“

Diese Aussage habe ich in den letzten Wochen mehrfach über die Entwicklung in Herrenberg gehört. Ich finde dies stimmt!. Bezogen auf unsere Konzepte und deren Umsetzung. Teilweise wird in Herrenberg an der Realität vorbei oder einfach zu langsam vorgegangen.

Die Schönheit ist gewissermaßen die Nutzung des Fruchtkastens als Museum oder die Nutzung des Klosterhofes als „Vereinstreff“ oder „Kinderbetreuung“ – Sehr, sehr schön!! Bekommen wir dadurch die potentiellen Käufer in die Altstadt? Ist die Tübingerstrasse nicht schon gestorben? Fristet die Stuttgarter Strasse nicht ein Schattendasein? Nun auch die Bronngasse? Was bringt uns heute weiter, nicht erst in 10 Jahren?

Was wir brauchen sind Konzepte, die Umsatz bringen und die Altstadt, die ganze Stadt beleben. Notwendig sind Konzepte die wirtschaftlich attraktiv und langfristig erfolgreich sind. Konzepte, von denen der Einzelhandel Nutzen und die Inhaber einer Immobilie in der Altstadt langfristig einen Nutzen der Vermietung haben.

Herrenberg verliert immer mehr Kaufkraft, die Einkaufsstadt Herrenberg steht auf der Standspur, Nagold hat uns überholt und andere Städte wie Böblingen mit riesigen Investitionen am Bahnhof starten durch. Dies ist Realität, diesen Herausforderungen müssen wir uns stellen. Wenn die Gewerbe- oder Mieteinnahmen nicht da sind, können wir keine sozialen Aktivitäten oder Vereinsleben mehr betreiben. Die sozialen Einrichtungen und auch die Vereine brauchen Sponsoren und Geldgeber. Dies sind die öffentliche Hand, der Metzger oder Bäcker oder Handwerker. Wenn die nicht mehr da sind oder die Zahl immer mehr zurückgeht, geht auch die finanzielle Möglichkeit für einen großen Teil unserer Gesamtstadt zurück. Dann können die Vereine auch ihrer sozialen Verantwortung, ihrer wichtigen Funktion bei der Integration nicht mehr nachkommen.

Mit den Planungen für Herrenberg 2020 müssen wir zentrale Impulse für die Kernstadt setzen. Damit muss jetzt begonnen werden. Parallel hierzu muß die Altstadt alle Möglichkeiten nutzen, um Parkmöglichkeiten im Außengürtel sowie pulsierenden Einzelhandel und Gastronomie aufzubauen. Dies kollidiert sicher auch mit der Wohnqualität in der Altstadt . Hier muß jedoch ein Dialog stattfinden um die richtige Grundlage für eine gemeinsame Entwicklung vorzubereiten.

Die Herrenberger Altstadt zieht mit ihrem Charme Besucher an. Ein Marktplatz ist vorhanden um welchen uns viele Städte und Gemeinden beneiden. Der Außengürtel neben See- und Hindenburgstrasse wird momentan in einem Gesamtkonzept entwickelt, was die Attraktivität noch erhöhen soll und auch größere Investoren und Geschäfte sowie Einwohner nach Herrenberg ziehen soll.

Es liegt an uns allen, wie wir auch die „kleinen“ Entscheidungen in der Entwicklung Herrenbergs an ein gemeinsames Ziel knüpfen, das auch für einen Auswärtigen lauten kann: Nach Herrenberg gehen wir, um zum shoppen, einen Kaffee trinken und dann ein Abendessen in toller, mittelalterlicher Umgebung!! Herrenberg ist eine Reise wert.
Dazu braucht es Mut und die Bereitschaft sich auf Veränderungen einzulassen. Nicht alles können wir im Vorfeld absehen, manche Veränderung wird ungewohnt sein. Wenn wir uns aber nicht jetzt auf den Weg machen, gerät Herrenberg immer mehr ins Hintertreffen. Jetzt bereit sein für Veränderungen heißt, Leben in Herrenberg zu erhalten. Ich finde, dies ist in jedem Fall besser als „in Schönheit zu sterben“.

Rainer Braun

Vorsitzender des Stadtverbandes der Freien Wähler Herrenberg


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